Komma vor und: Wann du es setzt und wann nicht

Ein Komma vor und zu setzen klingt für dich erst einmal seltsam? Du bist nicht allein. Viele Menschen fragen sich, was ein Komma vor und verloren hat. Hier erkläre ich es dir.

Ein Komma vor „und“ kann zwischen zwei Hauptsätzen stehen

Überlegen wir zunächst einmal ganz kurz, um was für ein Wort es sich bei und handelt. Wörter wie und, oder etc. sind Konjunktionen, also verbindende Wörter. Konjunktionen sorgen dafür, dass Sätze oder Satzteile zusammengehören. Das tun sie, indem sie sich einfach zwischen beide Teile schieben. So einfach, so klar.

Also, ich nehme zwei Satzteile und verbinde sie mit und. Ich gehe ins Haus und schaue fern. Was ich auch verbinden kann, sind Hauptsätze; also Sätze, die für sich stehen können: Ich gehe ins Haus, ist ein solcher Hauptsatz. Hingegen ist schaue fern kein ganzer Satz.

Wenn zwei Hauptsätze über eine Konjunktion wie und verbunden werden, dann kann ein Komma gesetzt werden. Es ist keine Pflicht, aber eben möglich: Ich gehe ins Haus, und ich schaue dort fern. Sinnvoll ist ein solches Komma, wenn es sonst zu Missverständnissen beim Lesen kommen könnte. Ich gehe zu Onkel Horst[,] und Tante Marianne ist in dieser Zeit auf Kur. Denn in diesem Satz könnte man zuerst lesen, dass du zu Onkel Horst und Tante Marianne gehst, obwohl deine Tante ja auf Kur ist. Das Komma verhindert hier Konfusion.

Bei gleichrangigen Nebensätzen steht kein Komma vor „und“

Im nächsten Fall schauen wir uns an, was passiert, wenn Haupt- und Nebensätze verbunden werden. Onkel Horst sah, dass ich kam und [dass] ich Kuchen mitgebracht hatte. Das Komma vor dass ist der Grenzstein zwischen dem Hauptsatz und den Nebensätzen. Wenn du dich fragst, was Nebensätze sind: Man erkennt sie daran, dass am Ende ein finites Verb steht. Ein finites Verb ist nach Person und Zahl bestimmt. Häufig werden Nebensätze über unterordnende Konjunktionen (dass, als), Interrogativpronomen (was, wer, wann) oder über Relativpronomen wie der, die, das, welcher an Hauptsätze angebunden.

Ein Beispiel dafür: Das ist der Kuchen, den ich liebe. Hier siehst du beide Eigenschaften erfüllt; es gibt ein Relativpronomen und das gebeugte Verb am Ende – „ich liebe“.

Unser Beispiel mit Onkel Horst und dem Kuchen hat einen Hauptsatz „Onkel Horst sah“ und zwei Nebensätze, die sich beide in gleicher Weise auf den Hauptsatz beziehen. Er sah, dass XY und [er sah] dass XY. Deswegen steht hier kein Komma vor und.

Ein Komma vor „und“ steht bei einem eingeschobenen Nebensatz

Onkel Horst sah, dass ich kam, und ging hinein. Schade eigentlich, dass Onkel Horst mich nicht sehen will. Abgesehen davon fällt dir sicher auf, dass nun ein Komma vor und steht. Das liegt daran, dass der anfangs begonnene Satz weitergeführt wird, im Sinne von: Onkel Horst sah etwas und ging hinein.

Hier kommen noch zwei Sätze:

Onkel Horst sah, dass ich kam und den Kuchen, den ich auf meiner Hand balancierte, ins Gras fallen ließ.

Onkel Horst sah, dass ich kam und ich, der ich den Kuchen auf der Hand balancierte, stürzte unglücklich über einen Stein.

Was denkst du? Sind alle Kommas korrekt oder könnte irgendwo noch ein optionales Komma stehen?

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Ja, alle Kommas sind korrekt gesetzt. Und richtig, im zweiten Satz kann ein optionales Komma vor und stehen, weil es sich um zwei miteinander verbundene Hauptsätze handelt.

Ich hoffe, du hast verstanden, wann ein Komma vor und steht und wann es nicht in deinen Text gehört. Alle Inhalte dieses Artikel findest du nun noch einmal zusammengefasst auf dem „Spickzettel“.

Spickzettel

  • Werden Hauptsätze miteinander durch die Konjunktion und verbunden, kann ein Komma gesetzt werden. Der Nachmittag war schwül[,] und am Abend gab es ein Gewitter.
  • Kein Komma steht, wenn zwei gleichrangige Nebensätze mit der Konjunktion und an einen Hauptsatz angeknüpft sind. Er berichtete mir, dass der Nachmittag schwül gewesen sei und [dass] es am Abend ein Gewitter gegeben habe.
  • Ein Komma steht vor und bei einem eingeschobenen Nebensatz. Denn in diesem Fall geht der übergeordnete Satz weiter: Ich schaltete die Klimaanlage ein, weil es schwül war, und wartete auf die Abkühlung.

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